januar 2017, kino arsenal

Ola Balogun
 – Pionier des nigerianischen Kinos

Im nigerianischen Kino ist der 1945 geborene Ola Balogun eine einzigartige Figur. In den 70er und 80er Jahren prägte er das Filmschaffen seines Landes wie kaum ein anderer und bereitete den Nährboden für den Nollywood-Boom seit Beginn der 90er Jahre. Dass er heute außerhalb Nigerias weitgehend vergessen ist, hat auch mit dem Überlieferungsstand seiner Filmkopien zu tun, von denen viele verloren sind. Von seinen zehn langen Spielfilmen sind momentan nur fünf verfügbar, viele davon in fragilem Zustand. Dank der Initiative des Filmkollektivs Frankfurt, das 2015 die Filme von Ola Balogun in Frankfurt präsentierte, ist nun erstmals wieder ein großer Teil des filmischen Werks von Balogun zugänglich und in der Cinémathèque française eingelagert. Wir freuen uns sehr, im Arsenal die fünf Spielfilme und eine Auswahl seiner kürzeren Dokumentarfilme zeigen zu können.

januar 2017, kino arsenal

Alltagssinfonien – Die Filme von Kenneth Lonergan

Es ist selten, dass man bei nicht einmal einer Handvoll Filmen bereits von einem Werk spricht, aber Kenneth Lonergan (*1962) ist ein besonderer Fall. Bis dato hat der Regisseur, Drehbuchautor und Dramatiker erst drei Spielfilme realisiert, die aufgrund ihrer präzisen Dialoge, beeindruckenden Schauspielleistungen und zutiefst bewegenden Wendungen sowohl bei der Kritik als auch beim Publikum auf große Resonanz gestoßen sind. Lonergans Dramen scheuen nicht vor großen Themen wie Familie, Verlust, Traumata oder moralische Verantwortung zurück – eingebettet in genau beobachtete Alltagssituationen kommt ihre Behandlung immer organisch und lebensnah daher. Selbst wenn seine Figuren unterschiedlichen gesellschaftlichen Milieus entstammen, weisen sie gewisse Gemeinsamkeiten auf – einen Hang zu widersprüchlichem Verhalten, einen Tunnelblick, der ihnen oft zum Verhängnis wird, ein Faible für Schimpfwörter – die sie zuweilen unsympathisch erscheinen lassen, dafür aber auch umso menschlicher. Ähnlich wie die klassische Musik, die auf der Tonebene oft unerwartet über das Geschehen hereinbricht, haben Lonergans Filme selbst etwas Sinfonisches: Verschiedene Themen, Stimmungen und Spannungen wechseln sich unerwartet und stets auf intuitive Art und Weise ab, ohne dass der letzte Satz unbedingt die Auflösung bedeutet. Anlässlich des bundesweiten Kinostarts seines neuen Films "Manchester by the Sea" (USA 2016) zeigt das Arsenal die beiden bisherigen Spielfilme von Lonergan, die in Deutschland kaum bekannt sind.

januar 2017, kino arsenal

Retrospektive Frank Capra (2)

Frank Capra (1897–1991) zählt zu den erfolgreichsten Filmemachern des klassischen Hollywoodkinos. Er war der erste, dessen Name vor dem Titel im Vorspann erschien und einer der wenigen Regisseure, der in Hollywood die weitgehende Kontrolle über seine Filme besaß. Capras eigene Verwirklichung des amerikanischen Traums vom armen sizilianischen Immigranten zum bestbezahlten Hollywoodregisseur und die daraus resultierende Dankbarkeit gegenüber den Vereinigten Staaten fand Ausdruck in seinen Filmen. In den krisenhaften 30er Jahren warben seine sozialkritischen, aber versöhnlichen (Tragi-)Komödien für die Wiederherstellung des Glaubens an die amerikanischen Werte, die Freiheit des Einzelnen und den Sieg der Gerechtigkeit über zynische Geschäftemacher und korrupte Politiker. "Vielleicht war das gar nicht Amerika, woran wir in all diesen Jahren glaubten, vielleicht war es nur Frank Capra", befand John Cassavetes, Kollege der nachfolgenden Filmemacher-Generation. Der "Capra Touch" – ein von Eleganz und Witz, exaktem Timing, präzisen Dialogen, brillanter Schauspielerführung und humanistischen Idealen bestimmtes, gefühlsbetontes Kino mit persönlicher Handschrift – vermittelte Hoffnung und Optimismus in politisch und wirtschaftlich schwierigen Zeiten. Capras glaubhaftes Eintreten für Menschlichkeit, Verständnis, Mitgefühl, Solidarität und Nächstenliebe in Verbindung mit der Komplexität und Subtilität seiner Arbeiten bewirkt, dass man geneigt ist, auch märchenhafte Überwindungen von Klassenschranken, mirakulöse Wendungen und zuweilen etwas abrupte Happy Endings nachzuvollziehen.

Der Glaube an den Sieg der gerechten Sache veranlasste den Patrioten Frank Capra, sich auf dem Höhepunkt seiner Karriere freiwillig in den Dienst der Army zu stellen. Als Leiter der Filmabteilung des Kriegsministeriums realisierte er zwischen 1942 und 1945 ein Dutzend dokumentarische Auftragsarbeiten. Wir setzen bis zum 20. Januar unsere umfassende Retrospektive fort.