juli 2017, kino arsenal

Creative Visions – Hong Kong Cinema 1997–2017

Made in Hongkong – Filme mit diesem Label bewegen sich auf einem resonanz- und (film-)geschichtsträchtigen Feld, auf dem die produktiven Berührungspunkte von Action- und Autorenkino, Innovationskraft und Genre, wilder Rauheit und technischer Perfektion immer wieder neu verhandelt werden. "Creative Visions" bietet anlässlich des 20. Jahrestags des Handovers, der Rückgabe der einstigen britischen Kronkolonie an China, die Gelegenheit, anhand von zehn Filmen aus den letzten zwei Jahrzehnten höchst unterschiedliche filmische Positionen eines wandlungsfähigen, vielgestaltigen, dynamischen Kinos nachzuvollziehen. Das Programm präsentiert Arbeiten international renommierter Regiegrößen wie auch vielversprechende Debütfilme und spannt den Bogen zwischen Thriller, Melodram, Actionfilm, Triaden- und Sportdrama – allesamt auch Momentaufnahmen einer Stadt und ihrer Bewohner*innen, die sich im Wandel der Zeit und der sich verändernden politischen und gesellschaftlichen Verhältnisse bewegen.

juli 2017, kino arsenal

Hommage an Valeska Gert

Die Tänzerin, Schauspielerin, Kabarettistin, Barbetreiberin und Buchautorin Valeska Gert (1892–1978) war "eine der einflussreichsten Künstlerinnen der Moderne" (Wolfgang Müller) und mit ihrer grenzüberschreitenden, transdisziplinären Kunst ihrer Zeit voraus. Ihre große Zeit hatte Valeska Gert im Berlin der Weimarer Republik. In einer Verbindung von Tanz, Pantomime und Schauspiel, die sie selbst "Grotesktanz" nannte, produzierte sie Kurt Tucholsky zufolge "das Frechste, was wohl je auf einer Bühne gemacht worden ist". Sie tanzte Themen wie "Baby", "Tod", "politische Versammlung", "Nervosität", "moderner Straßenverkehr" und mit "Canaille" den detailgetreuen Berufsalltag einer Prostituierten: "Weil ich den Bürger nicht liebte, tanzte ich die von ihm Verachteten, Dirnen, Kupplerinnen, Ausgeglitschte und Herabgekommene" ("Mein Weg", 1931). Ihre in antibürgerlicher Hemmungslosigkeit und Wildheit aufgeführten Tontanz-Nummern polarisierten das Publikum und führten Valeska Gert auf die großen internationalen Bühnen. In Deutschland verlor sie als jüdische Avantgardekünstlerin nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten ihre Auftrittsmöglichkeiten und emigrierte 1939 in die USA, wo sie mit ihrer "Beggar Bar" einen Treffpunkt der New Yorker Bohème schuf. In Berlin konnte sie nach ihrer Rückkehr 1949 mit ihrem Kabarettlokal "Hexenküche" nicht an frühere Erfolge anknüpfen und zog sich in den 50er Jahren auf die Insel Sylt zurück, wo sie bis zu ihrem Tod das Lokal "Ziegenstall" führte.

 

Wir zeigen eine Auswahl der Filme, in denen Valeska Gert zwischen 1925 und 1976 als Schauspielerin mitgewirkt hat. Obwohl sie darin zumeist nur in Nebenrollen zu sehen ist, haben ihre ausdrucksstarken Auftritte, in denen sie stets ein eigenständiges Frauenbild behauptete, die Filme nachhaltig geprägt.